Philosophische Digitalisierungsforschung

Mitglieder
  • Prof. Dr. Matthias Kettner
    Universität Witten/Herdecke
  • Prof. Dr. Susanne Hahn
    Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • Prof. Dr. Rainer Adolphi
    Technische Universität Berlin
  • Assoziierte Mitglieder der AG:
    Prof. Dr. Petra Gehring, Prof. Dr. Armin Grunwald, Dr. Kai Denker, Prof. em. Christoph Hubig
Philosophische Digitalisierungsforschung

Digitalisierung in kultur-, sozial- und technikphilosophischer Perspektive wird zuerst und maßgeblich als eine Fülle von kulturellen Prozessen thematisiert, um von vornherein technozentrischen Blickverengungen zu entgehen. Zwar haben digitalkulturelle Prozesse spezifische digitaltechnologische Voraussetzungen und Grundlagen, erlangen ihre volle Wirklichkeit aber erst in unseren Handlungs- und Erfahrungspraktiken, also dort, wo jene technischen Voraussetzungen und Grundlagen allererst mit Sinn und Bedeutung erfüllt werden: in der ganzen Breite aller Praktiken, die unsere kulturelle Lebenswelt ausmachen, die Handlungsmacht von Menschen und nichtpersonalen Agenten verändern und die Spielräume möglicher Lebensweisen verschieben. Digitalisierungsmanifestierende Veränderungen in Prozessen des Sozialen und Kulturellen reduzieren sich keineswegs auf „Vernetzung“ sondern erscheinen an betreffenden Praktiken als eine – noch zu klärende – Reihe charakteristischer komplexer Eigenschaften (wie: Ortlosigkeit bzw. Dekontextualisierbarkeit, funktionale Vertretbarkeit, Aktor-Anonymisierbarkeit, universelle Archivierbarkeit,  mediale Flächigkeit, skalierbare Granularität, universelle Emulierbarkeit und Simulierbarkeit, unbegrenzte Reproduzierbarkeit und Reformatierbarkeit u.a.m.). Mit dem schleichend zur Wirklichkeit werdenden Neuen verwoben, aber praktisch und analytisch abzuheben, sind die entsprechenden Diskurse und ihre Verschiebungen, d.h. die Arten der Verständigung und auch Nicht-Verständigung, die Begriffe für das Unfassbare, die Veränderung der Vokabulare.

Ein Aufschlag für diesen Ansatz wurde bereits am CAIS im Juli 2019 im Workshop „Philosophischer Digitalisierungsdiskurs“ gemacht. Den Zuschnitt der geplanten AG auf Philosoph*innen wird nicht als Abschottung gegenüber anderen Disziplinen verstanden, sondern umgekehrt gerade als eine nötige Konzentrationsbemühung, die den Wert philosophischer Beiträge im Zusammenspiel mit allen Wissenschaften, die auf je verschiedene Weisen digitalkulturellen Wandel erforschen, erhöhen soll. Diese methodologische Überlegung rechtfertigt auch den programmatischen Titel der AG als „philosophische Digitalisierungsforschung“.