Was denkt die Bevölkerung über Künstliche Intelligenz?

Wie berichten die Medien darüber?

Im öffentlichen Diskurs gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Vorstellungen und Meinungen zu Künstlicher Intelligenz. Entscheider:innen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sollten aber die Vorstellungen der Menschen für eine sozial- und demokratieverträgliche Technikgestaltung kennen. Der Meinungsmonitor Künstliche Intelligenz wird die öffentliche Auseinandersetzung dauerhaft und verlässlich beobachten.

In den Diskussionen über Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) werden häufig individuelle Einzelbeobachtungen der öffentlichen und in den Massenmedien veröffentlichten Meinung für die Stärkung der eigenen Position herangezogen. Dabei geht jedoch oft unter, dass diese Bezugnahmen meist nicht auf einer systematischen und kontinuierlichen Beobachtung des Diskurses fußen. Zudem zeigt ein Blick in verschiedene demoskopische Studien, dass die Erkenntnisse über die Einstellungen gegenüber KI keineswegs einheitlich sind. So weist das Eurobarometer (2017) auf eine eher positive Grundhaltung der Bevölkerung gegenüber Technologien der KI hin. Eine Umfrage des bitkom (2018) zeigt, dass die Mehrheit der Befragten Chancen in der Innovation durch KI vermutet. An anderer Stelle überwiegen dagegen die Risikowahrnehmungen sowohl allgemein als auch bezogen auf spezifische Anwendungsfelder (YouGov, 2018).

Eine langfristig angelegte Untersuchung der öffentlichen Meinung, die einen substanziellen Vergleich der Entwicklung und eine Analyse der Meinungsdynamik ermöglicht, liegt für den deutschen Raum bislang jedoch noch nicht vor. Diese Lücke wird durch das Projekt Meinungsmonitor Künstliche Intelligenz [MeMo:KI] geschlossen. Dabei steht die Künstliche Intelligenz als identifizierte Schlüsseltechnologie der Digitalisierungsdebatte im Mittelpunkt.

In der Politik wurde angesichts der Bedeutung und Reichweite der digitalen Transformation u. a. die Sozial- und Demokratieverträglichkeit der Technologie ins Zentrum gerückt. In verschiedenen Papieren von der Landes- bis zur EU-Ebene positionieren sich die Institutionen mit dem Anspruch auf eine Orientierung am Menschen und einen an ethischen Grundsätzen orientierten europäischen Weg zur KI. Nimmt die Politik ihren eigenen Anspruch ernst, ist sie auf die Unterstützung einer aktiven und aufgeklärten Zivilgesellschaft angewiesen, die mündig und selbstbestimmt ihre Bedürfnisse und Ideen in die Gestaltung von Digitalisierungspolitik einbringt. Andernfalls bleiben Entwicklung und Durchsetzung der KI-Technologien der interessierten Industrie vorbehalten, deren primäres Ziel Gewinnmaximierung und Effizienzsteigerung ist.

Aktuelles

  Forschungspartner: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

  Seit dem 01.04.2021 wird das Projekt von der Stiftung Mercator gefördert.

  Seit 01.01.2020 – 31.3.2021 wurde das Projekt aus Mitteln des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW gefördert.

»  Im Offstage-Programm bei der Re:publica 2021

»  Im Programm beim Digitaltag 2021

Politisierung der KI?

Die Realisierung eines umfassenden gesellschaftlichen Gestaltungsanspruchs bedarf aber einer Politisierung der Thematik. Das heißt zunächst, dass das Thema KI und Digitalisierung als Gegenstand der politischen Auseinandersetzung und Willensbildung anerkannt wird. Forschung aus anderen Themenfeldern wie der EU-Politik (u.a. De Wilde, 2011; Schattschneider, 1957) zeigt, dass drei Bedingungen erfüllt sein müssen:

  • Polarisierung: Alternative Positionen müssen zur Willensbildung vertreten werden.
  • Intensität: Breite mediale Aufmerksamkeit sorgt für die Popularisierung des Themas und die Verbreitung der Positionen.
  • Resonanz: Gelangt ein Thema schließlich auf die Agenda von Bürger*innen und Organisationen und gilt als relevant für Wahlentscheidungen, kann es als politisiert angesehen werden.

Ein treffliches Beispiel für eine solche Entwicklung bildet die jüngste Themen- und Politkarriere des Klimawandels. Inwiefern es bei KI einen vergleichbaren Verlauf geben wird, wird im MeMo:KI durch eine systematische Beobachtung der öffentlichen und veröffentlichten Meinung erfasst.

Methodenkombination

Die Untersuchung erfolgt mit einer Kombination verschiedener empirischer Methoden zur Beobachtung öffentlicher und veröffentlichter Meinung zu KI.

  • Ein kontinuierliches Monitoring des Interesses an KI, relevanter Meinungen sowie von intendiertem Verhalten erfolgt über eine monatlich stattfindende Befragung der deutschen Bevölkerung ab 18 Jahre, die mindestens gelegentlich das Internet nutzt.Darüber hinaus werden in Sonderbefragungen aktuelle und spezifische Fragestellungen rund um KI behandelt.
  • Parallel dazu wird eine teilautomatisierte Themenanalyse der Medienberichterstattung durchgeführt. Damit lassen sich Verläufe in öffentlicher und veröffentlichter Meinung zu KI abbilden. Im Weiteren werden die Erkenntnisse mit manueller Inhaltsanalyse vertieft und damit unter anderem der Tenor der Berichterstattung oder die Akteursstrukturen untersucht.

Ziele des MeMo:KI

Neben der wissenschaftlichen Untersuchung von Meinungsdynamiken und der Politisierung von KI verfolgt der MeMo:KI drei weitere Ziele:

  • Entwicklung und Etablierung eines Instruments zur kontinuierlichen Beobachtung des Diskurses um KI
  • Information über Daten und Ergebnisse für eine breite, interessierte Öffentlichkeit als Hilfe bei der Selbstbeobachtung in der Auseinandersetzung mit der Technologie
  • Früherkennung von handlungs- und forschungsbedürftigen Entwicklungen im Umgang der Gesellschaft mit der digitalen Transformation.

Forschungsergebnisse

Bevölkerungsbefragung

Sie können sich über die Filter die Ergebnisse für unterschiedliche Altersgruppen sowie Geschlechter anschauen. Wählen Sie dazu im Drop-Down Menü die entsprechende Gruppe aus. Sie können auch mehrere Filter gleichzeitig auswählen (z.B. Geschlecht + Altersgruppe oder mehrere Altersgruppen). Die Ergebnisse aktualisieren sich automatisch. Wenn Sie einen Filter zurücksetzen wollen, klicken Sie einfach noch einmal auf die bisher angewählte(n) Gruppe(n).

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Medienberichterstattung

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Sample:

Veröffentlichte Artikel aus den marktanteilsstärksten deutschen Print- und Onlinemedien*

Folgende 15 Printmedien werden in der Analyse berücksichtigt: BILD, Süddeutsche Zeitung, Stuttgarter Zeitung Anzeigengemeinschaft, Hannoversche Allgemeine Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, DIE WELT, Kölner Stadt-Anzeiger/Kölnische Rundschau, VRM Tageszeitungen, Rheinische Post, Rhein-Main-Zeitung, Nürnberger Nachrichten, Südwest Presse, Die Rheinpfalz, taz, Mannheimer Morgen.

Folgende 18 Onlinemedien werden in der Analyse berücksichtigt: chip.de, focus.de, spiegel.de, bild.de, computerbild.de, welt.de, heise.de, giga.de, stern.de, zeit.de, sueddeutsche.de, heute.de, faz.net, rtl.de, pcwelt.de, netzwelt.de, tagesschau.de, pro7.de

Für folgende Printmedien liegt (noch) kein Archivzugang vor und konnten deshalb nicht berücksichtigt werden: Funke Medien (WAZ), Münchner Merkur, Neue Osnabrücker Zeitung, Mediengruppe Thüringen, Zeitungsgruppe Rhein-Neckar / Mannheimer Morgen, Rhein-Zeitung, Schleswig-Holstein-Presse.

*Grundlage bilden die 20 bzw. 18 markanteilsstärksten Print- und Onlinenachrichtenmedien in Deutschland (Quelle: Medienvielfaltsmonitor 2019-I).

Kategorien – Themen:

KI & Technik wird verwendet, wenn über die technische Funktionsweise (z.B. maschinelles Lernen), über ein Produkt mit KI-Technik oder über eine Entwicklerveranstaltung gesprochen wird.

KI & Ethik wird verwendet, wenn über ethische Probleme oder Debatten in Bezug auf KI berichtet wird, z.B. Privatsphäre, Datenschutz, Diskriminierung, Fairness, Kontrollierbarkeit, Verantwortung oder Autonomieverlust.

KI & Wirtschaft wird verwendet, wenn wirtschaftliche Aspekte thematisiert werden und z.B. über Konkurrenzfähigkeit, Kooperationen, Arbeitsplatzsituation, Unternehmensstrategien, Investitionen oder den Einsatz von KI in unterschiedlichen Unternehmensbereichen berichtet wird.

KI in Forschung & Medizin wird verwendet, wenn über Forschungsergebnisse zu KI, sowie über KI als Methode wissenschaftlichen Forschens berichtet wird. Außerdem fällt der Einsatz von KI in der Pflege, in der medizinischen Praxis und in der Bildung in diese Kategorie.

KI in Justiz & Recht wird verwendet, wenn über die rechtliche Regulierung von KI, KI in der Strafverfolgung oder KI in Gerichtsprozessen berichtet wird.

KI & Politik wird verwendet, wenn über politische Institutionen, Initiativen, Investitionen, Maßnahmen, Regeln, Personen oder Gesetzesvorhaben berichtet wird.

KI in Medien & Kultur wird verwendet, wenn über KI im Zusammenhang mit Büchern, Filmen, Podcasts, Kunst oder Computerspielen berichtet wird. KI kann hier sowohl Gegenstand der Kultur sein, aber auch selbst als kreative Kraft auftreten.

Mensch-KI-Interaktion wird verwendet, wenn über das Verhältnis und den Kontakt von Menschen zu Maschinen berichtet wird. Dazu zählen Berichte, in denen über eine KI-gestützte Kommunikation berichtet wird, sowie die Berichterstattung über direkte Interaktionen wie z.B. bei Sprachassistenten.

KI & Militär wird verwendet, wenn über militärische Aktivitäten oder militärische Konkurrenzfähigkeit berichtet wird, z.B. Abwehrsysteme, autonome Waffen, Drohnen, etc.

KI in Verkehr & Mobilität wird verwendet, wenn über den Einsatz von KI im Verkehrssystem berichtet wird. Dazu gehört u.a. das autonome Fahren, Assistenzsysteme oder der Einsatz im Personentransportverkehr (z.B. Bahn, Bus).

KI Allgemein wir verwendet, wenn es um eine allgemeine Diskussion zum Thema KI geht, z.B. über Superintelligenz.

Sonstiges wird verwendet, wenn kein zuvor genanntes Thema das Hauptthema des Berichts darstellt.

Literatur

bitkom (2018). Künstliche Intelligenz: Bundesbürger sehen vor allem Chancen. Verfügbar unter https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Kuenstliche-Intelligenz-Bundesbuerger-sehen-vor-allem-Chancen

de Wilde, P. (2011). No Polity for Old Politics? A Framework for Analyzing the Politicization of European Integration. Journal of European Integration, 33 (5), 559-575.

European Commission and European Parliament (2017). Eurobarometer 87.1. GESIS Data Archive, Cologne. ZA6861 Data file Version 1.2.0, https://doi.org/10.4232/1.12922

Schattschneider, E.E. (1957). Intensity, Visibility, Direction and Scope. American Political Science Review, 51 (4), 933-942.

YouGov (2018). Künstliche Intelligenz: Deutsche sehen eher die Risiken als den Nutzen. Verfügbar unter https://yougov.de/news/2018/09/11/kunstliche-intelligenz-deutsche-sehen-eher-die-ris/

Veröffentlichungen

Kieslich, K., Keller, B., & Starke, C. (2021). AI-Ethics by Design. Evaluating Public Perception on the Importance of Ethical Design Principles of AI. Pre-Print verfügbar auf arXiv: https://arxiv.org/abs/2106.00326

Geladene Vorträge

Marcinkowski, F. (2021, Juni). Monitoring Public Opinion on AI. Vortrag im Seminar AI and the Common Sense, Metz (17.-18.06.2021).

Kieslich, K. & Došenović, P. (2021, Januar). Human-centered or economically driven? Monitoring public opinion on AI in Germany. Gastvortrag im London PUS Seminar, London (27.01.2021).

Vorträge auf Fachkonferenzen

Kieslich, K., Došenović, P., Marcinkowski, F., & Keller, B. (2021, September). Artificial Intelligence: A promising future or a serious threat? An investigation into media coverage and public perceptions of AI in Germany. Präsentation in der Audience and Receptions Studies Section auf ECREA´S 8. European Communication Konferenz in Braga (07.-09.09. 2021).

MeMo:KI-Team

Studentische Hilfskräfte

Sarah Akyürek